Eisenbahn im Mittleren Ruhrtal

Lok “Friedrich”

Eine besondere Lok – für eine besondere Halle

In ihrem Konzept zur Sanierung und Umbau des denkmalgeschützten Wittener Hauptbahnhofes stellten die Investoren Markus Bürger und Radomir Zecevic etwas Besonderes vor. Kernpunkt des Umbaus ist die lichtdurchflutete Wittener Bahnhofshalle, in der eine Lokomotive steht!

Eine Lokomotive? Ja richtig, sogar eine Dampflokomotive.

Die Glanzzeit des Wittener Hauptbahnhofes ist lange vorbei. Bei der Fertigstellung im Jahre 1901 war er eines der prächtigen Wittener Stadttore. An diese glanzvollen Zeiten der ehemaligen Bergisch-Märkischen Eisenbahn will man nun anknüpfen.

Die Dampflok soll dabei an die die enge Verbundenheit Wittens mit der Eisenbahn erinnern.

Bereits 1847 fuhr der erste Güterzug durch Witten. Da gab es in unserer Region noch nicht viele Eisenbahnstrecken. Zechen- und Schwerindustrie ließen dieses Streckennetz der verschiedenen Privatbahnen aber rasch wachsen. Witten wurde zu einer Art Drehscheibe.

Somit lag es auch nicht fern, dass die Bergisch-Märkische Eisenbahn hier ihre Centralwerkstatt eröffnete. Dieses Werk gibt es auch heute noch, das Weichenwerk feierte dieses Jahr sein 150-jähriges Bestehen.

Doch wo war eine Dampflok für die alt ehrwürdige Bahnhofshalle zu finden? Die Lok aus der faszinierenden Animation konnte es jedenfalls nicht werden.

Mit weit über 100 Tonnen Gewicht wäre sie viel zu schwer, wie auch viel zu groß für die Halle. Nun war guter Rat teuer. Hilfe sagten die Eisenbahnfreunde Witten zu.

Moderne Netzwerke boten gute Suchfunktionen. Doch das Glück lag sehr nahe. Die befreundete Museumsbahn „Sauerländer Kleinbahn“ bot eine 900 mm Lok zum Verkauf an.

Um was für eine Lok handelt es sich?

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich darf mich kurz vorstellen:

Fachleute bezeichnen mich so:

Bn2t „FRIEDRICH“ Henschel & Sohn 1949 Fab.Nr. 27119 Hasper Hütte

Ihnen darf ich mich jedoch etwas näher vorstellen und ein wenig aus meinem Leben plaudern.
Mein Name ist „Friedrich“, ich bin eine Dampflokomotive der Firma Henschel und wurde 1949 als Werkslokomotive gebaut. Bestellt wurde ich für die Werksbahn der Klöckner Hütte in Hagen-Haspe mit einer Spurweite von 900 mm.
Bis Mitte der 1960er Jahre habe ich hier zwischen den Hochöfen und stahlverarbeitenden Betrieben schwere Lasten gezogen.
1973 wurde ich als Spielplatzlok in Gevelsberg-Vogelsang aufgestellt. Das hat zwar viele Kinder erfreut, doch mir hat es gar nicht gut getan. Aus Sicherheitsgründen wurden viele Teile von mir entfernt und wanderten in den Schrott.
1984 holten mich dann Museumseisenbahner aus Hüinghausen ins Sauerland. Ursprünglich sollte ich einmal auf der Museumsstrecke wieder zum Einsatz kommen. Doch meine in Deutschland seltene Spurweite von 900 mm verhinderte das.
Nun könnte ich einen geschützten Platz in der Halle des Wittener Hauptbahnhofes bekommen. Oh wie toll, ich könnte alle Wittener Gäste begrüßen, doch oh weh, wie sehe ich aus!
Der Zahn der Zeit hat ganz schön an mir gerüttelt, die Grundsubstanz ist ja noch gut aber ich brauche dringend ein paar neue Teile – eine Dampflok ohne Führerhaus und Stangen, huch mich schüttelt es!
Liebe Wittener Bürger und Freunde einer alten Lokomotive, könnt ihr mir nicht mit einer Spende helfen, damit ich wieder so aussehe wie meine Schwester auf dem Bild. Sie ist leider schon im „Lokhimmel“ deshalb möchte ich die Erinnerung gern an uns wach halten.

Reise nach Witten:


Zusammen mit der Investorengemeinschaft Bürger/Zecevic fassten die Sauerländer Kleinbahn und die Eisenbahnfreunde Witten den Entschluss, der „Friedrich“ kommt nach Witten. Doch wie sollte die alte gebrechliche Lokomotive dahin kommen.

Auf den Schienen der alten BME Strecke von Plettenberg nach Witten? Nein, das geht doch nicht, der „Friedrich“ hat doch viel zu schmale Achsen. Auf der Borkumer Inselbahn, da könnte er fahren, wenn sich seine Achsen mal wieder drehen!

Es half alles nichts. Um die Lok aus dem Sauerländer Regen zu holen, bedarf es schweren Geräts. Mittels Autokran wurde die Lok in Plettenberg auf einen LKW für Stahlrollen verladen. Solche Auflieger krachen bei einem Gewicht von fast 20 Tonnen nicht gleich zusammen. Die Reise ging dann von Plettenberg zur KarriereWerkstatt der DEW. Frau Dreher hatte der alten Lok Hilfe bei der Reparatur zugesagt. Hier wurde der „Friedrich“ dann wieder an einen Kran der Firma Bracht gehangen und langsam im Hof der Lehrwerkstatt abgesetzt.

Die Aufarbeitung bzw. Demontage beginnt:

Bei der Ankunft in Witten war bereits klar, dass die Lok auch zur optischen Aufarbeitung komplett in ihre Einzelteile zerlegt werden muss. Optisch sichtbar waren, dass die Rauchkammertür, der Rauchkammerring, die Kohlen- und Wasserkästen so vom Rost zerfressen waren und nicht mehr gerettet werden konnten. Wie sollte es auch nach den vielen Jahren auf dem Spielplatz und im Sauerländer Regen anders sein.

So begann in enger Abstimmung mit der KarriereWerkstatt die Demontage der Lok durch Harald Vogelsang und Rolf Lutter.

Rauchkammer- und Feuertür wurden bei der Fachwerkstatt Mende in Gera in Auftrag gegeben. Leider ließ sich im heimischen Umkreis keine Firma für diesen Auftrag finden.

Begutachtung der einzelnen Teile nach der Demontage:


Neubau der Wasserkästen:

Ganz anders sah es da bei den Wasserkästen aus. Auf Initiative von Klaus Tillmann baute uns die Firma KHS in Dortmund die Wasserkästen neu. Eine klasse Leistung wurde hier vollbracht. Nach den Henschel Zeichnungen aus dem Jahr 1949 wurden sie originalgetreu nachgebaut. Wir bedanken uns bei der KHS Maschinen- und Anlagenbau GmbH Dortmund und der Firma Hans Stork Betriebsgesellschaft mbH Dortmund für die beispielhafte Unterstützung.

Transport der Wasserkästen zum Wittener Hbf:

Nach dem Bau der Wasserkästen wurde diese anläßlich der 150-Jahr Feier im AW Witten erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt. Doch leider konnten die Kästen bis zur Montage nicht im AW bleiben und somit musste ein überdachter Platz gefunden werden. Nach Rücksprache mit den Investoren des Bahnhofes war es möglich, die Wasserkästen im ehemaligen Güterschuppen des Bahnhofes zwischenzulagern bis der Umbau startet.

Weitere fertige Teile:

Wie bereits erwähnt, wurde die Rauchkammertür bei Florian Mende in Gera gefertigt. Anfang Oktober wurde diese nun in Gera abgeholt und am Vereinsabend stolz vorgestellt. Ebenfalls nur noch Schrott waren die Federpakete der Lok. Ob die lange Standzeit oder ein Betriebsschaden auf der Hütte in Haspe noch dazu führten, wird wohl ungeklärt bleiben. Dank Sponsoring der Firma Federn Rüther wurden diese ebenfalls nach den Henschel Zeichnungen nachgebaut.

Unsere größte Baustelle:

Vor großen Herausforderungen stehen wir noch bei der Aufarbeitung des Fahrwerks und der optischen Aufarbeitung des Kessels. Freundlicherweise hat die rollfähige Aufarbeitung die DEW zusammen mit der KarriereWerkstatt übernommen.
Die optische Aufarbeitung des Dampfkessels müssen wir an eine Fachwerkstatt übergeben, denn zur Neubeblechung sind Spezialmaschinen erforderlich. Diese arbeitsintensive und kostspielige Komponente der Kesselaufarbeitung kann nur durch weitere Spenden finanziert werden.
Wir danken bereits jetzt dafür.

Spenden:

Wir sind schon weit gekommen, damit es weitergeht, sind wir auf Ihre Spenden angewiesen, damit die Vision für den Wittener Hauptbahnhof wahr wird und die Lok ein Teil der Kultur der Stadt Witten wird.
Als gemeinnütziger Verein (anerkannt durch das Finanzamt Witten) sind wir berechtigt Spendenquittungen auszustellen.

Konto Nr: 10 18 10 423
BLZ: 360 605 91 bei der Sparda Bank West

IBAN: DE10 3606 0591 0101 8104 23
BIC: GENODED1SPE

Stichwort: Friedrich

Wir würden uns über Ihre Unterstützung freuen, damit es am Wittener Hauptbahnhof bald so aussieht.